Montag, 23. Juli 2001 TRIERISCHER VOLKSFREUND

KUNST

Dorf und Burg sind eine Galerie

300 Kunstwerke sind im luxemburger Beaufort an ungewöhnlichen Plätzen zu sehen

Von unserem Mitarbeiter
UWE HENTSCHEL

Grelle Farben, alter Burggraben: In Beaufort trifft Historie auf moderne Kunst.Foto: Uwe Hentschel
BEAUFORT. Ein ganzes Dorf als Kunstgalerie. Einmal im Jahr wird der luxemburger Ort oberhalb des Müllerthals zum Treffpunkt für Künstler und Kunstbegeisterte.

Unterwegs durch das kalte Gemäuer endet der Weg auf einmal in einem winzigen Raum. Ein Hinweis an der Wand gibt zu verstehen, dass es sich hier bei um den ehemaligen Kerker handelt. Ein Zimmer mit niedriger Decke und ohne Fenster, dessen Platzangebot irgendwo zwischen dem einer Telefonzelle und dem eines Studentenzimmers liegt. Nichts für Menschen mit Platzangst, also schnell raus hier. Auf einmal endet der Weg vor einer schweren Holztür.

Während der Kerker den Besucher für einen kurzen Moment ins Mittelalter befördert, wird durch das Öffnen der Holztür der Zeitsprung wieder rückgängig gemacht. Auf eine kleine Leinwand werden scheinbar aus einem Flugzeug aufgenommene Luftaufnahmen projiziert. Erst bei längerem Betrachten wird deutlich, dass es sich dabei um mikroskopisch gefilmte Malereien oder Skizzen handeln muss. Sonderbar.

Aber wer in diesen Tagen durch die alte Burg in Beaufort spaziert, muss damit rechnen auf das ein oder andere Ungewöhnliche zu treffen. Seien es bunte Plastiken im Teich am Burgeingang, romantisch und verträumt umgestaltete Räume im Burginneren oder ein mit allen möglichen Sachen gefüllter, verschweißter und anschließend lackierter Kühlschrank aus dessen Gefrierfach die Extremitäten einer Puppe heraushängen. Mit allem kann und sollte gerechnet werden.

Grund dafür ist die Ausstellung "Art in Beaufort", die vom 20. bis 29. Juli in der alten Burgruine und im restlichen Ort stattfindet. In dieser Zeit können über 300 Kunstwerke, überwiegend Gemälde und Skulpturen, besichtigt werden.

Als die Exposition 1994 zum ersten Mal veranstaltet wurde, stand dahinter die Idee, ein ganzes Dorf als Kunstgalerie zu gestalten, um so Werke namenhafter Künstler aus dem In- und Ausland einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Neben dem Bestreben, das hohe künstlerische Niveau über die ganzen Jahre hin aufrecht zu erhalten, haben die Organisatoren das Programm nach und nach durch musikalischen Darbietungen und Performances erweitert. Dabei waren die Höhepunkte der Vernissage am vergangenen Samstag zweifelsohne der Auftritt des Künstlers André Mergenthaler mit seinem etwas sachrägen "Solo Electric Cello" und die Aufführung "Hidden vs Meltingpol – Meltingpol vs Hidden". Dabei wurden in einem der Burginnenhöfe Videobilder an die alten Mauern projiziert, die durch Musik untermalt wurden. Auch wenn der Grundgedanke (die Entstehung der Klänge, das Aufkommen von Bildern und deren Einfluss auf das weitere Klangbild) ohne Hintergrundwissen nur schwer nachvollziehbar ist, eindrucksvoll war es allemal.

Ebenso beeindruckend wie das Klangangebot und die bewegten Bilder am Eröffnungswochenende, sind die ruhenden Bilder und Skulpturen, die verstreut auf dem Burggelände, im Renaissanceschloss und in den zu Galerien umfunktionierten öffentlichen Gebäuden im Dorfzentrum präsentiert werden.

Dass Beaufort auf Künstler eine hohe Anziehungskraft ausübt, dafür zeugt seit Kurzem ein hohe, spitze Holzskulptur in der Mitte des neu angelegten Verkehrskreisel. Im vergangenen Jahr wurde die erste "Biennale de Beaufort" veranstaltet, ein Skulpturen-Symposium, an den elf international anerkannte Künstler teilnahmen. Die Werke dieser attraktiven wie originellen Manifestation sind bei der diesjährigen achten Auflage von "Art in Beaufort" im "Paschtoueschgaart" (Pfarrgarten) ausgestellt.

Bis zum 29. Juli ist die Ausstellung täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Zwischen den einzelnen Angeboten im Ort ist ein Bus-Pendeldienst eingesetzt, der ebenso wie der Eintritt zu sämtlichen Veranstaltungen frei ist.